JAGD AUF MR. JONES
Wenig später erreichte er das Five Bells in Haborough.
Die kleine Bar an der Straßenecke konnte zwar nicht mit den Schuppen an der Central Avenue mithalten, aber für ein, zwei Drinks, um den abgeschlossenen Fall zu begießen, reichte es allemal. Außerdem kannte er den Besitzer gut.
Das Five Bells war nur mäßig besucht, daher steuerte er direkt auf einen der freien Hocker zu. Der Mann mit dem rundlichen Gesicht hinter dem Tresen hatte den Detective bereits erkannt, als dieser die Tür geöffnet hatte.
»Na, sieh einer an! Green, lange nicht mehr gesehen!«
»Viel zu tun, Joe«, sagte William und nahm auf dem Hocker Platz. »Wirf morgen mal einen Blick in die Zeitung, wenn du es genau wissen willst.«
»Ich werde dran denken.« Joe lachte. »Schön, dass Sie wieder da sind. Das Übliche?«
William nickte.
»Ja, das Übliche.«
Das Übliche war in diesem Fall ein Wayside Original Ale. Die Biersorte stammte aus einer kleinen Brauerei am östlichen Stadtrand und galt in Wayside längst als flüssiges Wahrzeichen.
»Haben Sie das letzte Spiel der Wayside Tigers gesehen?«, fragte Joe und stellte ihm ein volles Glas Bier auf den Tresen.
William hob das Glas und nippte an der goldenen Flüssigkeit.
»Habe ich, sieht so aus, als könnten sie die Saison doch noch gewinnen.«
»Das will ich doch hoffen! Ich habe mit einem Kumpel eine Wette am Laufen, dass die Tigers Champion werden!«
William nickte zustimmend. Joe war, mit Ausnahme einiger Officers in der Zentrale, der Einzige in seinem Bekanntenkreis, der seine Begeisterung für Baseball teilte.
Als er dasaß und an seinem Glas nippte, fiel sein Blick auf ein neues Gesicht hinter der Bar. Eine junge Frau. Ihrem Aussehen nach hätte er sie eher in einem Klub der High Society in High Castle vermutet, nicht hier, in einer verrauchten Bar in Haborough, mit einer Schürze um die Taille. Wohl eine neue Kellnerin. Es kam öfter vor, dass Joe neues Personal einstellte, aber an ihr blieb Williams’ Blick hängen.
»Du hast eine neue Mitarbeiterin?«, fragte er und deutete mit einer Kopfbewegung zu der jungen Frau herüber. Joe nickte und hängte sich sein Putztuch über die Schulter. »Richtig erkannt! Emily, komm doch mal hier rüber. Ich würde dir gerne jemanden vorstellen!«
Die Angesprochene setzte die Gläser ab und stellte sich zu ihrem Chef.
»Emily, das ist Detective William Green vom Wayside Police Department, ein langjähriger Stammgast.«
Sie streckte ihm die Hand entgegen. »Emily McLaren. Freut mich, Detective. Auch wenn ich bei Ihrem Aussehen eher auf Privatdetektiv getippt hätte.«
William erwiderte die Geste.
»Was meinen Sie?«, fragte er.
Als sie seinen verwunderten Gesichtsausdruck sah, lachte sie. Es war ein fröhliches, lautes Lachen.
»Nun, Sie sahen für mich einfach nicht aus wie ein Polizist mit dem Mantel.«
Jetzt musste auch William lachen. Er merkte sofort, wie ihm diese neue Barkeeperin sympathisch wurde.
»Nun, es ist so, als Detective sind wir nicht zwangsläufig an eine Uniform gebunden. Ist manchmal hilfreich, nicht sofort als Polizist erkannt zu werden.«
»Zum Beispiel, wenn Sie neuem Barpersonal vorgestellt werden?«
Er wog den Kopf hin und her.
»Zum Beispiel.«
Sie lachte erneut auf. Diesmal drehten sich auch einige der anderen Gäste zu ihr um. Sie hatte eine Ausstrahlung, die William an die eines Fernsehstars oder dergleichen erinnerte.
»Sie nehmen mir meine Unwissenheit aber hoffentlich nicht übel?«, fragte sie.
»Keine Sorge, ich bin schon im Feierabend.«
»Na, da kann ich ja beruhigt sein.« Sie zwinkerte ihm zu. »Also gut, Detective, dann werde ich mich mal wieder an meine Arbeit machen, sonst jagen mir nachher noch einige ungeduldige Gäste hinterher. Sie haben schon etwas zu trinken?«
»Joe hat mich versorgt.«
»Mit was?«
»Wayside Original Ale.«
William hob das Glas und trank einen weiteren Schluck.
»Das Übliche«, fügte Joe hinzu, der sich jetzt wieder zu ihnen stellte.
»Wird vorgemerkt!« Sie tippte sich an die Stirn. »Hat mich gefreut, Detective, bis zum nächsten Mal.«
Sie schenkte ihm noch ein Lächeln, bevor sie sich umdrehte und den anderen Gästen an der Bar zuwandte.