DAS LEBENSHAUS - Band 4 - X-MAS Buch
Der saĂ inzwischen immer noch an seinem Tisch und Frau Ilse stand nun auf und ging zu ihm herĂŒber. âNa, junger Mann, hast du Durst oder Hunger? Du siehst aus, als könntest du eine StĂ€rkung gebrauchen.â
âWas ist das hier? Seit wann gibt es das hier im Dorf? Wer hat das gebaut? Ich komme von hier, war einige Zeit weg und hatte keine Ahnung. Als ich es sah, habe ich drauĂen gestaunt. Es sieht so schön gemĂŒtlich aus, aber ich verstehe nicht, was es ist. Ich sehe viel Ă€ltere, sogar ganz alte Menschen, die hier herumwuseln, aber auch Kinder, auch Menschen, die ich von frĂŒher kenne, aber ich bringe nicht zusammen, was das hier ist. Hier ist es gemĂŒtlich, es sieht nicht aus wie ein Altenheim, aber auch nicht wie ein GeschĂ€ft, obwohl hier Menschen reinkommen und Sachen bekommen, in PapiertĂŒten verpackt. Handwerker, BĂŒroleute, Menschen, die sich setzen und sich da vorne bedienen. Das wirkt wie ein groĂes Zuhause. Ich kriege es nicht auf die Kette, wenn Sie verstehen, was ich meine?â
âJa, ich verstehe es, denn wir sind hier etwas ganz Besonderes. Sie befinden sich im Lebenshaus. Dort wohnen Menschen aller Altersgruppen, Menschen, die alt sind, die einsam waren, die Gemeinschaft suchen, aber sie nicht immer brauchen, die noch was können und auch meist sehr viel Erfahrung haben, die hier gebraucht werden kann, aber auch nicht muss. Hier gibt es keine festen Uhrzeiten fĂŒr die Bewohner, hier gibt es Leben â so, wie es passt. Niemand muss, alles kann, und hier wird ziemlich viel von dem gemacht, was wir als junge Menschen vermutlich Ă€lteren Menschen auch abgesprochen hĂ€tten. Nur, dass wir jetzt die Alten sind und hier eben beschlossen haben, dass Alter eben nur eine Zahl ist.
Und nun das Wichtigste zuerst. Was soll es denn sein? Sollen wir zusammen mal nach vorne gehen und was besorgen? Hier ist grundsĂ€tzlich Selbstbedienung fĂŒr die, die es können. Ich zeige mal, wie der Ablauf ist.â
âJa, Hunger und Durst habe ich, aber was kostet das denn? Ich habe etwas Geld, aber nur wenig und weiĂ nicht, ob es reicht. Ich bin auf der Suche nach jemandem, der hier im Ort lebt â soweit ich weiĂ. Ich habe sie noch nicht gefunden.â
Frau Ilse hatte es geahnt und schob seinen Geldmangel beiseite und sagte: âDas Finanzielle ist jetzt Nebensache, der Hunger und der Durst stehen im Vordergrund. Also los, wir gehen was holen und dann setzen Sie sich zu uns an den Tisch. Und wenn Sie mögen, erzĂ€hlen Sie uns Ihre Geschichte.â
Der junge Mann guckte unglĂ€ubig zu Frau Ilse, sah in ihr freundliches Gesicht, schaute zu den beiden herĂŒber, bei denen Frau Ilse gesessen hatte, bekam von dort ein zustimmendes Nicken, stand auf und ging mit ihr mit.
Lore notierte sich dazu in ihr Notizbuch:
Nicht wo ein Mensch herkommt, nicht was er war,
sondern was er jetzt braucht, ist das Wichtigste.
Alles andere kann warten.
Mensch, der Kerl hat Hunger und Durst.
Richtig, Frau Ilse â gib ihm was.