The Ever Tale
Sengend heißer Schmerz durchfuhr Ashjou und wütend heulte er auf, denn er schaffte es nicht, den Peitschenhieben auszuweichen, die auf ihn zuschnellten. Die Narwen waren eher gekommen, als er befürchtet hatte. Im schummrigen Licht der Höhle konnte Ashjou nur ihre schemenhaften Umrisse ausmachen, so dass er nicht genau sagen konnte, wie viele der Kreaturen ihn umringten. Aber er hörte ihr ausgehungertes Geifern und wusste, dass heute sein Ende gekommen war.
Mit einem Mal wurde Ashjou ganz ruhig. Er hatte gewusst, dass es eines Tages so kommen würde und hatte vor langer Zeit seinen Frieden damit gemacht. Noch hielt das bisschen Magie, das an ihm haftete, die Narwen davon ab, ihren Auftrag zu erfüllen.
Er ahnte, dass er sich beeilen musste.
Wieder verbissen sich die ledernen Schnüre einer Peitsche in seine Haut. Ashjou jedoch achtete nicht mehr darauf und drehte sich langsam um. Sein Blick fiel auf das Tor vor ihm, das er sein ganzes Leben lang beschützt hatte. Kaum hörbar, begann er die vertraute Formel aufzusagen.
Die Narwen rissen brüllend an ihm, um ihn an seinem Vorhaben zu hindern, doch die steinernen Finger, die von Decke und Boden der Höhle wuchsen und sich in der Mitte trafen, begannen sich bereits knirschend auseinander zu bewegen.
Andächtig stand Ashjou da und blickte ins Oval, das nun sichtbar wurde. Das fluoreszierende Licht im Inneren des Tors verstärkte sich immer mehr, bis es ihn schließlich blendete. Mit einem heiseren Aufschrei zerrte sich Ashjou das lederne Band mit dem Stein vom Hals und schleuderte beides ins Zentrum des Tors. In einem grellen Blitz wurde die Energie des Steins freigesetzt und gelangte auf die andere Seite, die für Ashjou dagegen unerreichbar blieb.
Das helle Licht erstarb plötzlich und ließ die Höhle noch dunkler zurück. Ein wutentbranntes Kreischen erfüllte die Luft, denn die Narwen gewahrten in diesem Moment, dass das Tor nun für alle Zeit verschlossen war.
Ashjous Beine gaben unter ihm nach und erschöpft ging er in die Knie, während die unzähligen Schnüre der Peitschen weiter an ihm zerrten. Die Magie, die ihn zuvor beschützt hatte, war ver-schwunden. Anstelle der immerwährenden Hoffnung, die ihn, seit er denken konnte, begleitet hatte, fühlte er nun kühlen Frieden.
Als einer der Narwen heiser brüllend auf ihn zustürmte, die schwarze Peitsche todbringend über seinem Kopf schwingend, schloss Ashjou die Augen und lächelte.
Er hatte seine Aufgabe erfüllt.