Bösartig
Plötzlich hörte ich irgendwo über mir einen lauten Klatscher. Erschrocken spürte ich, dass etwas an mir zerrte und sah, dass der Boden sich ruckartig von mir entfernte. In meinen Ohren rauschte und gluckerte es lautstark. Das Nächste, was ich richtig wahrnahm, war der blaue Himmel, der verhasste Sprungturm und das Weinen meiner Schwester.
Ich lag auf dem Beckenrand und drehte den Kopf zur Seite, um zu ihr zu schauen. Daraufhin musste ich husten, Wasserspritzer schossen aus meinem Mund. Dann sah ich, wie meine Mutter sich über mich beugte und mich aufmerksam betrachtete.
»Gut, du lebst! Du bist nicht mehr aufgetaucht und da habe ich dich gerettet!«, sagte sie emotionslos. Ihr Gesicht wirkte ausdruckslos, weder Furcht noch Liebe oder Angst konnte ich darin erblicken. »Was sollen denn sonst die Nachbarn denken, wenn du hier im Pool ertrinkst?« Chiara hingegen schien erleichtert und lächelte zaghaft.
Vater saß immer noch auf der Sonnenliege. Seelenruhig schaute er dabei zu, wie ich hustete, Wasser spuckte und keuchte. Er kam zu mir und meinte: »Das machen wir morgen noch mal. Vielleicht geht es dann ohne, dass ich mich aufregen muss! Grundgütiger, reiß dich verdammt noch mal zusammen, du bist schließlich der Sohn eines Olympiaschwimmers.«