Kaltblütig-Gefangene der Schuld
Leon aß weiter und schwieg. Er wusste, dass Garcia gerne provozierte und Angst verbreitete. Doch meist folgten den Worten keine Taten. Je heftiger man reagierte, desto mehr Spaß hatte er. Und umso häufiger war man seine Zielscheibe.
»Garcia, setz dich hin und gib Ruhe!«, forderte die Wache ihn streng auf. Der Häftling murrte und warf dem Wachmann einen missmutigen Blick zu, bevor er sich wieder seinem Essen widmete. Leon hatte sich nicht auf die Provokation eingelassen. Es war ihm wichtiger, beim Personal einen guten Eindruck zu hinterlassen. Er hoffte auf Hafterleichterungen, wenn nicht sogar mehr.
Garcia, du Großmaul! Am liebsten würde ich dich bäuchlings fesseln und ordentlich verprügeln. Dann würde ich dich mit einem Besenstiel vergewaltigen. Später würde ich dir mit einer Zange die Fingernägel ziehen, ganz genüsslich, einen nach dem anderen. Und danach die Zehennägel. Oh, wäre das geil! Leon war innerlich von Rachegedanken zerfressen. Äußerlich blieb er gelassen. Friedlich aß er seine Mahlzeit und ignorierte sein Gegenüber. Er warf der Wache, die Garcia vorhin ermahnt hatte, sogar ein Lächeln zu. Als er sein Essen beendet hatte, stand er auf und begab sich pfeifend zurück zu seiner Zelle. Garcia blieb sitzen und würdigte ihn keines Blickes.
Leon zuckte mit den Achseln. Er kam an seinem Arbeitsplatz vorbei und blieb an den Türen stehen.