Blutrünstig
Als sie die Haustür aufschließen wollte, trat in dem Moment ihre Mutter hinaus. Fernanda musterte sie eindringlich. »Oh Gott, Mama, du hast mich erschreckt. Was ist los? Du siehst aus, als hättest du einen Geist gesehen.«
Ihre Mutter starrte in die Ferne und wirkte wie weggetreten, sie blinzelte. »Deine Mitschülerin, diese Blanca …« Sie verstummte.
»Ja? Sprich doch weiter!« Fernanda hielt die Luft an.
»Sie ist tot. Blancas Mutter rief mich vorhin an. Du weißt ja bestimmt, dass ich mit ihr eng befreundet bin. Sie hat so sehr geweint, dass ich erst gar nichts verstanden habe. Kurz nachdem Blanca ins Krankenhaus eingeliefert wurde, verstarb sie. Man versuchte sie zu reanimieren, aber vergeblich.« Tröstend legte sie ihren Arm um die Schultern ihrer erstarrten Tochter. »Das tut mir alles so schrecklich leid, für die ganze Familie und dich als ihre Freundin. Sie war erst sechzehn, ihr ganzes Leben lag noch vor ihr.«
Tot, dachte Fernanda. Sie fühlte sich wie betäubt. Blanca ist tot und ich bin daran schuld. Ich müsste entsetzt sein oder traurig. Wortlos streifte sie den Arm ihrer Mutter ab und ging an ihr vorbei. Bedächtig schritt sie die Treppe hinauf zu ihrem Zimmer. Ein leichtes Lächeln erschien auf ihren Lippen.