Skinmark
Tyreese stellte sein Glas ab, hob die Hand und strich mit den Fingerspitzen über ihren Unterarm. Kaum mehr als eine Berührung. Genau an der Grenze zwischen Frage und Antwort. Samanthas Körper reagierte, als hätte jemand ein Feuer unter ihrer Haut entzündet. Die Wärme fuhr von ihrem Arm bis in die Brust und zog tiefer. Tyreese bemerkte es. Seine Finger wanderten höher, nur einen Zentimeter, dann wieder zurück, als teste er nicht sie, sondern seine eigene Zurückhaltung. Er griff nach einer ihrer Locken, die sich aus dem chaotischen Knoten gelöst hatten, und ließ sie über seinen Finger gleiten.
»Du kannst mich jederzeit bitten aufzuhören«, raunte er.
Samantha sah ihn an. Da war er wieder, dieser Raum zwischen ihnen. Dieses Nicht-Nehmen, sondern Warten. Es machte sie wütend und weich zugleich.
Fuck.
»Sehe ich aus, als bräuchte ich eine Sicherheitseinweisung?«
»Nein, du siehst aus, als würdest du lieber Witze machen, als zuzugeben, dass ich dir unter die Haut gehe.«
Ihr Herz schlug härter.
»Du bist ziemlich selbstsicher für jemanden, der mich gerade erst kennengelernt hat.«
»Nein«, konterte Tyreese. »Ich bin vorsichtig.«
Vorsichtig.
Sie wollte nicht vorsichtig sein, obwohl genau das ratsam wäre, bei dem, was dieser Mann in ihr auslöste. Ihr Körper wollte ihn, das konnte sie nicht abstreiten. Aber dieses verfluchte Kribbeln in ihrem Bauch war falsch.
Tyreese bemerkte den Kampf in ihren Augen und flüsterte: »Ich sollte besser gehen, bevor wir Dummheiten machen.«
»Wahrscheinlich«, brachte sie kleinlaut hervor.
»Willst du, dass ich gehe?«
»Nein«, entwich es ihr, obwohl sie Ja sagen wollte.
Er hob langsam beide Hände, berührte sie aber nicht gleich, sondern wartete. Samantha hätte zurückweichen können – sollen – tat es aber nicht. Zuerst fasste er ihre Taille, nur leicht, als rechnete er damit, dass sie zurücktrat. Doch sie blieb und schloss sogar die Lücke zwischen ihnen. Ihre Hände landeten wie von selbst auf seiner Brust. Der Stoff seines Shirts war warm und darunter spannten sich Muskeln. Sein Körper war hart, nicht wie gezielt im Fitnessstudio geformt, sondern auf diese nüchterne, funktionale Art, die von Gewicht und Krieg erzählte. Tyreese atmete hörbar aus und der Laut fuhr ihr durch den Bauch.
»Sam.«
Mehr sagte er nicht. Nur ihren Namen. Er war Warnung, Bitte und Frage in einem.
Sie streckte sich ihm entgegen.
Der erste Kuss war langsam. Fast zu langsam für das, was in ihr brannte. Sein Mund berührte ihren mit einer Zurückhaltung, die fast wehtat. Da war keine Eile, kein Besitzanspruch und kein Versuch, den Moment größer zu machen, als sie ihn tragen konnten. Samantha hielt das drei Sekunden aus. Dann schob sie die Finger in sein Shirt, packte Stoff, zog ihn näher und öffnete den Mund unter seinem. Tyreese reagierte. Der Griff um ihre Taille wurde fester, eine Hand glitt in ihren Nacken, warm und groß, und diesmal war da kein Zweifel mehr. Er küsste sie tiefer und Samantha stieß mit dem Rücken gegen den Tresen. Sie schmeckte Wein auf seiner Zunge und Dessert und etwas, das nur er war. Seine Hand blieb an ihrem Nacken, nicht fest, aber haltend. Sie wollte nicht gehalten werden. Sie wollte nicht, dass jemand dieses Gefühl in ihr weckte. Also küsste sie ihn härter. Tyreese gab einen rauen Laut von sich, tief in der Brust, und löste sich gerade weit genug, um Luft zu holen. Seine Stirn blieb an ihrer liegen.