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Ava J. Thompson

Die Schuldigen Bd. 1

Matteos Zusammenbruch

»Scheiße, Matteo, sei leise.« Ich greife nach seinem Ärmel und ziehe ihn ins Haus. Er ist sturzbetrunken und seine geweiteten Pupillen lassen die ein oder andere Droge vermuten. »Still«, zische ich und bugsiere ihn die Treppe hinauf. Ignoriere Moms aufgebrachten Blick. Als ich die Tür meines Zimmers hinter uns schließe, drehe ich den Schlüssel um, um Mom auszusperren.
Diese gibt allerdings genauso wenig Ruhe wie Matteo und klopft an die Zimmertür. »Was sucht Matteo um diese Zeit hier? Es ist mitten in der Nacht.«
Als ob ich nicht wüsste, wie spät es ist. Ich besitze immerhin eine Rolex. »Geh schlafen, Mom. Ich kümmere mich«, erwidere ich sanft, damit sie verschwindet.
Matteo hat sich mittlerweile in mein Bett fallen lassen und starrt Löcher in die Luft.
»Was ist los mit dir?«, fahre ich ihn an. So unsanft geweckt zu werden, mag ich nicht und den Ärger, den er mir mit seinem Auftritt einhandelt, ebenso wenig.
»Mir ist schlecht.« Matteo springt auf, verhaspelt sich mit den eigenen Beinen und fängt sich gerade so ab. Er presst die Hand vor den Mund und ich bin mit drei Schritten bei der Tür. Schließe sie hastig auf und gebe den Weg zum Badezimmer frei, hoffe inständig, Mom erscheint nicht sofort wieder auf der Bildfläche.
Den Flur überwachend höre ich, wie sich Matteo die Seele aus dem Leib kotzt.
»Was ist denn passiert?«, will ich wissen, als er ins Zimmer zurückkehrt, mit dem Ärmel des Shirts über seinen Mund wischt und sich wie selbstverständlich abermals in mein Bett legt.
»Warum hat dieser Mistkerl nicht einfach geredet?«
Diese Frage kann ich nicht beantworten, kenne weder den Mistkerl noch weiß ich, weshalb er geschwiegen hat.
»Ich kriege das Geräusch nicht aus dem Kopf.« Matteo schlägt sich mit den Händen auf die Ohren. »Dieses verdammte Knacken. Ich höre es. Immer und immer wieder.« Resigniert sinken seine Arme nach unten. »Es soll aufhören. Mach, dass es aufhört.« Jetzt klingt er weinerlich und ich fühle mich völlig hilflos. »Er hätte doch nur reden müssen. Wir hätten sofort aufgehört.«