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Ava J. Thompson

Die Schuldigen Bd. 1

Anas Doppelleben

Seit einem Monat treffe ich mich mit Matteo. An unserem fünften Date ist es passiert und seitdem fällt es mir schwer, gegenüber Aragon und Joaquin vorzutäuschen, ich sei unglücklich, obwohl ich in Wahrheit das genaue Gegenteil fühle. Führe mittlerweile regelrecht ein Doppelleben. Mime tags die eingeschüchterte Ana, während ich nachts aus der Wohnung schleiche, um die Person freizusetzen, die in mir schlummert.
Treffe ich Matteo, ist vieles von dem vergessen, was mich belastet. Empfinde zu ihm eine besondere Verbundenheit, vielleicht weil er mein Erster ist und damit meine Selbstwahrnehmung veränderte. Dieses neue Selbstbewusstsein zu genießen, birgt Risiken, da sowohl Aragon als auch Joaquin feine Antennen besitzen.
Dem zum Trotz ist es mittlerweile wie eine Sucht und ich lebe nur noch für die Stunden mit Matteo. Um die Gefahr zu begrenzen, die ich beinahe jede Nacht herausfordere, gebe ich kaum etwas von mir preis. Schiebe beiseite, dass ich auch von ihm so gut wie nichts weiß. Ist nur fair.
Ich passe auf, lasse mich ungern zu tief fallen, um nicht leichtsinnig zu werden. Dennoch passiert es. Als Matteo in einem solchen Moment fragte, ob meine Cousine hier in Miami lebt, habe ich spontan die Wahrheit gesagt. Unter normalen Umständen keine brisante Enthüllung.
Ich vertraue Matteo. Gleichzeitig fürchte ich den falschen Vater und dessen Regeln. Wüsste er, dass ich einen Mann treffe, Sex habe … Bloß nicht darüber nachdenken. Absurd, doch ich bin inzwischen froh, dass mich in meinem Zimmer niemand behelligt. Würde ich mich ständig in Aragons und Joaquins Gegenwart aufhalten, wäre meine Schauspielerei längst aufgeflogen.