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Anya Stüben

Schatten über der Adria - Wenn seine Welt nach uns greift Band 2

"Sie trägt die Münze"

Luka
Die Tür fiel hinter Inspektor Popijača ins Schloss. Zurück blieb nur das leise Summen der Lüftung.
Ich blieb am Fenster stehen und sah hinaus auf das Meer vor Zadar, das heute unruhiger war als sonst. Der Wind drückte die Gischt gegen die Kaimauer, hart genug, dass selbst durch das Panzerglas ein dumpfes Zittern spürbar blieb. Der Himmel hing tief über der Küste, grau violett, schwer vom kommenden Sturm.
Sechs Wochen.
Lang genug, damit selbst Stillstand irgendwann anfing, sich wie ein Zustand anzufühlen.
Das Gebäude war früher einmal eine Pension gewesen. Man sah es noch an den schmalen Fluren, den alten Balkontüren und den verblassten Fliesen im Treppenhaus. Jetzt waren die Balkone verschlossen, die Fenster gesichert und jede Bewegung im Haus kontrolliert. Schutz bedeutete Überwachung. Für die meisten Menschen machte das einen Unterschied. Für mich längst nicht mehr.
Die Verhöre liefen inzwischen nach einem festen Muster ab. Firmen. Namen. Transportwege. Geldflüsse. Immer dieselben Fragen, nur aus anderen Richtungen gestellt. Und jedes Mal fehlte am Ende dasselbe.
Goran.
Sie kamen näher an seine Strukturen heran, nie an ihn selbst. Alles um ihn wurde sichtbar, er selbst blieb unscharf. .
Sven schwieg weiterhin.
Für jemanden wie ihn war Kontrolle kein Mittel. Sie war Identität. Solange er glaubte, noch Einfluss auf das Spiel zu haben, würde er reden wie eine Betonwand.
Ich fuhr mir über den Nacken, ließ den Blick durch das Zimmer wandern. Bett. Tisch. Akten. Das Glas Wasser am Fenster, seit Stunden unberührt. Nichts hier veränderte sich. Nur die Uhrzeiten.
Mein Blick blieb an der kleinen digitalen Anzeige neben der Tür hängen.
Noch zwei Minuten.
Mehr bekam ich nicht.
Die Verbindung wurde nie angekündigt. Nie bestätigt. Sie kam einfach irgendwann innerhalb des Zeitfensters, das Popijača ausgehandelt hatte, kurz genug, damit niemand daraus ein Muster bauen konnte.
Das gesicherte Telefon auf dem Tisch vibrierte leise, und ich war dort, bevor das zweite Vibrieren einsetzte.
„Lage.“
Keine Begrüßung. Keine Zeit dafür.
Kurzes Rauschen lag auf der Leitung, dann Milans Stimme, ruhig wie immer.
„Alles ruhig.“
Ich lehnte mich leicht gegen die Fensterkante und sah wieder hinaus auf das Wasser, während draußen der Wind härter gegen die Kaimauer schlug.
„Isa arbeitet wieder“, sagte er nach einem kurzen Moment.
Ich nickte kaum merklich. Wenigstens das.
„Clara nervt weiterhin.“
Unter anderen Umständen hätte das vielleicht sogar für ein kurzes Schmunzeln gereicht.
Zwischen uns blieb nur das leise Rauschen der Verbindung, bevor Milan ruhiger hinzufügte:
„Sie trägt die Münze. Als Kette.“
Mein Griff um das Telefon wurde fester. Ich schloss die Augen. Ich wusste sofort, was er mir damit sagte.
Sie hielt daran fest. An dem Versprechen. An uns.
Zum ersten Mal seit Stunden wusste ich wieder, wofür ich das hier durchstand.
Die Leitung knackte leise. Zeit war um.
„Milan.“
„Ja.“
Ich schwieg einen Moment zu lange, bevor ich antwortete.
„Pass weiter auf sie auf.“
Die Antwort kam ohne jedes Zögern.
„Immer.“
Dann brach die Verbindung ab, und nur noch das Meer war da. Das Rauschen der Leitung verschwand, zurück blieb der Wind vor dem Fenster und das dumpfe Schlagen der Wellen gegen die Kaimauer.