Die Schuldigen Bd. 2
Als ich jemanden auf der Treppe höre, wende ich mich ab. Haste zurück nach oben, der Appetit auf Frühstück ist vergangen.
Howard hat seine Rolle teuflisch gut gespielt und das nur, um mich bei Laune zu halten.
Wie konnte ich darauf reinfallen?
Nicht mitbekommen, dass sich in Wahrheit alles ausschließlich um seine Familie dreht, meine zu einem Duarte-Außenposten verkommen soll und ich der Preis bin, den er zahlen muss?
Wie erniedrigend.
Ich werfe die Zimmertür zu.
In der nächsten Sekunde öffnet sie sich wieder und Fjodor tritt ein.
»Hau ab!«
Er bewegt sich keinen Schritt.
Auch egal. Ich schnappe nach Luft. Die Spielchen nutzen sich ab, hat er gesagt. Alle Leidenschaft ein Fake. Ein unumgehbares Übel, um den Vulkan am Brodeln zu halten. Das ist die grausame Wahrheit und ich habe angenommen, er sei scharf auf mich.
Ich ging davon aus, dass er mich wirklich will und das Geschäftliche seine Gefühle ergänzt. Dabei steht das Business im Mittelpunkt und …
Maledizione!
Ich komme mir wertlos vor.
Ein Mittel zum Zweck.
Notwendiges Übel.
Ich greife eine Schale von der Kommode und donnere sie gegen die Wand. Sehe zu, wie sie zerbricht und die Scherben zu Boden fallen.
Zerstört. In kleine Teile zersplittert. So fühle ich mich.
»Was ist denn passiert?«, fragt Fjodor.
Ich kann es ihm nicht sagen, ohne seinen Spott zu riskieren. Er hat mich schließlich vor Howard gewarnt.
Dieser Mistkerl denkt an eine andere, als wären seine geheuchelten Gefühle nicht demütigend genug.
Mariana? Matteos verfluchte Cousine?
Nie zuvor hat mich jemand so heftig gekränkt. Ich möchte schreien, um nicht daran zu ersticken.
Was findet er an dieser einfältigen Göre?
Die Vase mit den frischen Blumen ist bereits in der Hand.
Fjodor stoppt mich.
Ich funkle ihn zornig an.
Er gibt meinen Arm frei und schüttelt den Kopf.
Stimmt ja, Emotionen so offen zu zeigen, ist ein Fehler.
Niemand soll wissen, dass ich etwas für Howard empfinde. Empfunden habe, denn er hat mir sämtliche Gefühle aus dem Herzen gerissen und sie zu Hass zertrampelt.
Ich stampfe mit dem Fuß auf, möchte durchdrehen, die ganze verfluchte Wut rauslassen.
Nein!
Ich muss nachdenken. Das geht nicht, wenn sich der Zorn weiter hochschaukelt. Howard darf niemals erfahren, dass es echt war. Eine kluge Einsicht, während durch meine Adern ungebremste Wut rast. Entweder finde ich ein Ventil oder die Explosion ist nur eine Frage der Zeit.
Rachegedanken halten mich zusammen.
Ich muss die nächsten Schritte planen.
Nicht hier, wo alles an ihn erinnert und er mir jeden Moment über den Weg laufen kann. Nur so schnell wie möglich runter von dieser widerlichen Insel. Weg von den Duartes.
Hastig werfe ich ein paar Sachen in den Koffer.
»Sagst du jetzt endlich, was los ist?«
Auch dieses Mal erhält Fjodor keine Antwort.