Die Schuldigen Bd. 5
Schon ein komisches Gefühl, hier zu sitzen und zu wissen, dass Howard und ich alle Vallejos beseitigt haben, die sich in der jüngeren Vergangenheit gegen uns wendeten. Ich leere das Glas und lasse mir nachschenken. Sehe Nino, der mir ebenfalls ausweicht. Dass ich bei meinen Ex-Schwiegereltern verschissen habe, lässt sich nachvollziehen. Aber Nino?
Ich nehme einen Schluck, versuche, gleichzeitig mit dem Whisky den Groll herunterzuschlucken. Die Fehde ist vorüber. Diese Hochzeit das Siegel auf dem imaginären Friedensvertrag.
Sebastián wird dennoch ein rotes Tuch bleiben.
Und Luigi, der zudem nicht sein Taktgefühl besitzt. Er stellt sich ignorant neben mich. »Mach mir einen Gin. Den Guten aus Japan«, weist er den Bartender an.
Als er den Drink entgegennimmt, stößt er kurz mit seinem Glas gegen meines, das auf dem Tresen steht. »Können wir abhaken, was war?«
Hätte ich nicht verinnerlicht, in solchen Momenten die Fassung zu bewahren, wären mir sämtliche Gesichtszüge entgleist. Wie gelingt es Louisa, diesem Kerl jetzt öfters zu begegnen? Vergeben und vergessen? So weit kann nicht mal ihr großes Herz reichen.
Was mich angeht, ist maximal ein Waffenstillstand drin und der … »Als sei nichts geschehen?«, frage ich provokant.
Luigi zögert. »Das wäre seltsam.«