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M. F. Hakket

Die Katze von Frau Wagner

Prolog

Es wurde höchste Zeit, die Katzen verschwinden zu lassen.
Daher ließ er auch keine weitere Nacht verstreichen.
Obwohl er sich in seiner eigenen Wohnung befand, näherte er sich dem Katzenkörbchen auf Zehenspitzen. Ihm war klar, dass Ramona nicht plötzlich hinter ihm auftauchen würde, aber irgendetwas in ihm wollte verhindern, dass er zu laute Geräusche verursachte.
Vielleicht mein Gewissen. Vielleicht das Donnerwetter, das mich mit Sicherheit erwartet, wenn Ramona wieder zurück war, dachte er.
Als er vor dem Korb stand, wagte er kaum zu atmen.
Fünf kleine Katzen schliefen friedlich, während eine, die größte von allen, ihn ansah. Kitty starrte ihn mit ihren hasserfüllten Schlitzaugen an, als er ein Kätzchen nach dem anderen aus dem Korb nahm und in einen Pappkarton steckte. Reiner bemühte sich dabei, vorsichtig zu sein. Die ganze Zeit rechnete er damit, dass ihn das Muttertier an seinem Handeln hindern würde, doch Kitty tat nichts dergleichen. Offenbar war sie sich bewusst, wer von ihnen der Stärkere war.
»Glotz nicht so doof«, zischte Reiner, nachdem er alle fünf Katzenbabys im Karton verstaut und mit einem Gummiband verschlossen hatte.
Erst eine Weile später, Reiner hatte bereits die Wohnung verlassen, gab Kitty ein klägliches, trauriges und vor allem verwirrtes Miauen von sich. Sie wusste, dass man ihr etwas genommen hatte. Etwas sehr Wichtiges. Etwas, bei dem sie spürte, dass sie es niemals wieder sehen und berühren würde.

Es gab natürlich, wie erwartet, ein ordentliches Donnerwetter, als Ramona wieder Zuhause war. Doch ein solcher Streit wird unter anderem durch starke Emotionen verursacht, und Gefühle verfliegen mit der Zeit.
Als Kitty dann vier Wochen später an einer Infektionskrankheit starb, kam auch Ramona zu dem Schluss, dass ein Hund auch ein tolles Tier sein könnte. Sie sah irgendwie ein, dass sie mit der Katze als Haustier einen Fehler gemacht hatten.
Sie schafften sich einen Hund an und die abendlichen Spaziergänge mit Reiner und ihm hatten etwas für sich. Tatsächlich schaffte es der Hund, die Beziehung der Eheleute Leiß zu festigen. Ja, er wurde fast zu dem Kind, das sie beide nie haben konnten. Manchmal kam es sogar vor, dass die drei einen Spaziergang durch Reiners und Ramonas alten Wohnbezirk machten. Sie taten das nicht aus wehmütigen Gründen, sondern eher weil sie froh darüber waren, hier nicht mehr wohnen zu müssen.
Es tat gut, sich an Schlechtes zu erinnern, denn so wog das Gute im Leben doppelt schwer.

Was Kittys Babys anging … nun, nur eine einzige Katze aus dem Wurf überlebte die Aussetzung in die freie Natur.
Erstaunlicherweise war es die kleinste.
Und es war eine schwarze Katze.
Eine mit leuchtend grünen Augen.
Reiner sollte recht behalten. Der kleine schwarze Fellbeutel war etwas ganz Besonderes …
Auch Reiners Unterbewusstsein sollte Recht behalten, irgendwie, und auf eine ganz merkwürdige Art und Weise …