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J. Luhber

Reiter der Apokalypse – Yekon

Kapitel 1

Genna biss sich auf die Lippe. Ihre Finger zitterten leicht, als sie die Hand auf den Türknauf legte und ihn zögerlich drehte. Sie wusste, dass sie hier nichts verloren hatte, dass dieser Flügel des Herrenhauses tödlich für alle außerhalb der Familie war – und somit auch für sie. Ohne ein Geräusch zu machen, schwang die schwere Tür nach innen auf und gab den Blick auf einen kurzen Flur mit vier Türen frei, der weiß mit ein paar goldenen Elementen war und mehr als spartanisch eingerichtet.
"Hallo?", rief Genna erst leise und dann noch einmal lauter: "Yekon?"
Stille empfing sie. Aber da sie Mordran, sein apokalyptisches Pferd, in den Stallungen vorgefunden hatte und Yekon weder in den Gemeinschaftsräumen noch in den Flügeln
seiner Geschwister gewesen war, musste er hier sein.
Genna holte tief Luft und wagte den ersten Schritt in das Reich des Krieges. "Yekon? Ich bitte dich. Komm raus!", brüllte Genna, da ihr wirklich mulmig zumute war, uneingeladen in die
privaten Räume eines äußerst griesgrämigen und hochgefährlichen Mannes einzudringen. Ein Mann, der nie zögerte, zu töten und seiner großen Schwester damit Arbeit zu verschaffen.
Vorsichtig klopfte sie an die erste Tür und öffnete auch diese. Eine Waffenkammer, die ihr die brutalsten Erfindungen der hiesigen Welt präsentierte. Schnell verschloss sie die Tür wieder und schloss die Augen.
Einatmen – Mut sammeln.
Ausatmen – Augen öffnen und weitergehen.
Sie übersprang die nächsten zwei Türen und öffnete direkt die letzte. Überrascht blinzelte sie. Warme Braun- und Rottöne dominierten das Schlafzimmer, das mit dick gepolsterten Sesseln
und weichen Kissen ausgestattet war. Das Zentrum jedoch war ein riesiges Bett. Dicke Matratze, fluffige Kissen, kuschelige Decken. Gennas Mund stand offen, als sie diesen maximalen Komfort erblickte, der im absoluten Gegensatz zu dem gefallenen Engel stand, den sie in all den Jahren nie näher kennengelernt hatte.
Ein leises Schnarchen riss Genna aus ihrem Staunen.
Vorsichtig trat sie näher an das Bett und fand den massigen Krieger bäuchlings auf seinen Kissen liegend vor. Barfuß in seiner typischen schwarzen Uniformhose und mit freiem Oberkörper.
Genna wandte schnell den Blick ab, so wie es ihr von Kindheit an eingebläut worden war. "Yekon!", rief sie erneut und als dieser nur unwirsch den Kopf abwandte, griff sie nach einem
der unzähligen Kissen und warf ihn damit ab.