Tehya: Das Fest der sterbenden Jahreszeit und andere magische Katastrophen
»Norena ist immer eine Reise wert!« Felia strich eine sanfte Brise übers Gesicht und die Sonnenstrahlen wärmten ihr schwarz und rot gemustertes, weißes Fell. Überglücklich unterbrach die Glücksmaus ihren Strandspaziergang und ließ sich die feinen, gelborangen Sandkörner durch die Pfoten rinnen. »Perfekt für die Fellpflege. Eins, zwei …« Sie streckte sprungbereit die Vorderpfoten in die Höhe.
»ALLES EINGEPACKT, SCHATZ?«
»Was?« Aufgeschreckt von der lauten Männerstimme zuckte Felia zusammen. Sie drehte sich um, erblickte eine große, rotbraune Truhe und hob den Kopf. »Malio?!«
Das Sandbad musste warten, denn ihr Nachbar stand mit wallender, silberner Haarpracht hinter dem vollgestopften Behältnis und blickte sie ungeduldig an.
»Die Kutsche kommt gleich«, informierte er sie, während der Schmuck in seinem Vollbart vor sich hin klimperte.
»Kutsche?« Irritiert löste die Maus ihren Blick von den glänzenden Bartperlen und ließ ihn über den Strand und die türkisblaue Warme See schweifen. Von einer Kutsche war weit und breit nichts zu sehen und auch nach Riesenmuscheln, Holzschiffen und fliegenden Teppichen hielt sie vergebens Ausschau. »Komisch, der Strand ist leer. Keine Zelte, keine –«
»JAAAA, KOMME GLEICH!«, unterbrach eine melodische Stimme ihre Überlegungen.
»WUMMS!«
Malios Frau Kenna tauchte mitsamt ihrem Haus am Strand auf und winkte ihnen mit einem breiten Grinsen im Gesicht aus einem Fenster im dritten Stock zu.
»Träume ich?« Felia starrte das mit gelben Akzenten versehene Holzhaus mit offenem Mund an.
Malio hingegen reagierte unbeeindruckt. »ICH WARTE IM GARTEN. Erhebe dich!« Er wedelte mit dem Zauberstab, ließ die Truhe schweben und wandte sich zufrieden lächelnd der Maus zu: »Genieß das Fest, Felia!«
»Das Fest?« Nachdenklich blickte sie dem Gartengestalter hinterher. »OH, DAS FEST!« Sie zwang sich, ihr Nickerchen zu beenden, und schlug die Augen auf.