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J. Luhber

Eine Hexe für Kaffee & Kuchen

Kapitel 1

»Danke, Jill. Ein Glück, dass du auch bei diesem Wetter geöffnet hast.«

Ich nicke meinem Stammgast zu und blicke automatisch durch das Fenster. Düsterer Himmel, Nieselregen und stürmischer Wind, der die Wellen der grauen Nordsee höher schlagen lässt. Typisch norddeutsches Wetter. Bald werden die Wolken weitergezogen sein und die Sonne wieder freigeben.

»Warum sollte ich wegen eines bisschen Windes und Regens schließen? Es muss ja keiner draußen sitzen.« Ich zwinkere ihm zu und eile weiter.

Kaffee kochen, bedienen, kassieren und immer zwischendurch ein bisschen Smalltalk halten. Auch wenn ich nicht geplant hatte, hierzubleiben, inzwischen liebe ich das kleine Café und meine Rolle als Geschäftsführerin.

Als alle Gäste versorgt sind, husche ich nach hinten in meine kleine Küche. Ich begutachte die Mascarponecreme, die mein Schneebesen fleißig rührt, während das Nudelholz Blätterteig ausrollt. Mit einem Fingerschnippen faltet sich letzterer und das Nudelholz beginnt von vorne.

Ein weiteres Schnippen und der Schneebesen hüpft in die Spüle, um sich selbst abzuspülen, während ein Messer fein säuberlich frische Erdbeeren zerteilt.

Ich verteile die Mascarpone großzügig auf dem vorbereiteten Kuchenboden und belege sie mit den frischen Erdbeeren.

Kaum bin ich fertig, legen auch meine Küchengeräte ihre Arbeit nieder. Ich lächle und streiche mir eine Locke aus der Stirn. »Gut gemacht, Freunde«, lobe ich und stelle den Kuchen kalt. In ein, zwei Stunden wird auch er sich in meine Kuchentheke gesellen, wo schon eine Käsesahnetorte und ein klassischer Marmorkuchen warten. Ich gehe zu den Muffins, die auf der Anrichte abgekühlt sind. Schoko und Blaubeere. Rasch richte ich einige von ihnen auf einer silbernen Platte an und nehme sie mit nach vorne.

»Oh, die sehen aber köstlich aus«, schwärmt eine neu eingetroffene Kundin. »Da nehme ich doch direkt einen von.«

Mit einem Lächeln stelle ich die Platte in meine Auslage. »Schokolade oder Blaubeere?«, erkundige ich mich.

Sie strahlt mich an. »Wissen Sie was? Ich nehme beides. Und dazu einen großen Cappuccino.«

Ich zwinkere ihr zu. »Das kann ich gut verstehen. Ich muss mich auch immer sehr zusammenreißen. Suchen Sie sich doch einen Platz, ich bringe ihnen gleich alles zum Tisch. Viel ist ja gerade nicht los.«

Die Kundin sieht sich um. »Ich nehme an, der Ansturm findet nachmittags statt?«

Nickend bestätige ich ihre Worte. »Meistens. Vormittags ist nie so viel los. Ich biete ja keine Brötchen an und nur wenig herzhaftes Gebäck.« Ich deute auf die Blätterteig-Teilchen mit unterschiedlicher Füllung.

»Und Sie machen das hier alles alleine?«, erkundigt sie sich und streicht sich eine Haarsträhne hinter ihr Ohr.

Ich zucke mit den Schultern. »Größtenteils. Für die Nachmittage und Wochenenden habe ich ein wenig Unterstützung beim Verkauf und bei der Bedienung. Aber es ist alles garantiert von mir gebacken.«

Die Kundin strahlt. »Das finde ich äußerst beeindruckend.« Mit diesen lobenden Worten wendet sie sich ab, um sich einen Platz an einem der großen Fenster zu suchen.

Rasch bereite ich ihren Cappuccino zu und bringe ihr alles an den Tisch. »Ich bin wieder in der Küche. Wenn Sie noch etwas benötigen, einfach klingeln.« Ich deute zu der dicken silbernen Klingel auf der Theke.

Der vorbereitete Blätterteig wartet auf mich. Diese Fuhre würde statt zu Taschen, die schon im Verkauf sind, zu Twistern geformt werden. Mit Spinat-Ricotta-Füllung oder klassisch mit Tomatensoße und Käse. Eine dritte Variante mit einer Käsecreme ist ebenfalls geplant. Und dann fehlt nur noch der vegane Apfel-Streuselkuchen, den ich aus dem Ofen ziehen muss und der schon jetzt einen köstlichen Zimtgeruch verbreitet.