Zwischen den Fronten
Die Stille zwischen ihnen wurde dicker. Kolja drohte, ihm zu entgleiten, versank in Grübeleien. Sein Blick war weit entfernt.
»Lass uns Spaß haben.« Lews Vorschlag überraschte ihn selbst. »So tun, als ob wir zehn wären.« Er sprang auf und griff nach der kalten Hand des Älteren, der sich widerstandslos hochziehen ließ, steif wie ein Brett, über den hochstehenden Rasen und den feuchten Sandkasten auf dem Spielplatz. Im Dunklen kaum erkennbar stand eine große Nestschaukel, ein mit Textilstoff überzogener Stahlring. Lew umfasste die dick geflochtenen Seile, an denen eine schwarze Stoffschale hing. Wie lange das her war. Selbst in der Kindheit hatte er hier nur selten unbehelligt gespielt, ohne dass die anderen ihn vertrieben. »Schubst du mich an?«
Kolja durchzuckte ein Schmunzeln. Er krempelte die Ärmel hoch, nahm Anlauf und stieß die Schale mit voller Kraft. Lews Magen sauste nach oben und sackte zu den Füßen zurück. Er lachte und ließ sich in der Schale auf den Rücken fallen. Der Halbmond tauchte über ihm auf und verschwand wieder, surreal gelb im Kontrast zum schwarzen Nachthimmel, wie eine von Kinderhand gemalte Zitronenscheibe. Unwirklich wie alles an der Situation. Schneller und schneller brachte Kolja die Schaukel zum Pendeln, bis das Holzgestell knackte und die Schale senkrecht in der Luft stand. Als sie sich entschied, nicht zu kippen, sackte sie wieder nach unten.
So musste es sich anfühlen, betrunken zu sein.
Es gab einen Aufprall, Koljas Gesicht erschien über dem Rand. Er wälzte sich neben Lew auf den Rücken.