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M. F. Hakket

Der Käfig im Vogel

***

»Ob ihr alle Lack gesoffen habt, will ich wissen!«
Er war außer sich, und hätte er nicht gesessen, hätte er sich eine Wand genommen und sie gegen seinen Kopf gezimmert.

(Das konnte ich verstehen, wirklich, denn der Club war alles, was ihm geblieben war, außer seinem Bruder natürlich, aber dazu kommen wir noch.
Ich verstehe auch, dass Sie nun etwas ratlos im Raum stehen und nicht so ganz überblicken, was da eigentlich los ist. Deshalb erlauben Sie mir bitte, ein wenig Kontext zu liefern.
Seine Freundin, ein nettes Ding durchaus, hatte ihn verlassen, vor drei Jahren, denke ich – worüber er heimlich sogar ganz froh war.
Sie passten nicht so ganz zueinander, was jedoch erst später auffiel, denn Hormone können einem nicht selten einen Streich spielen.
Sie wissen schon.
Seine Freundin frönte meist der boulevardesken Unterhaltung, und er dagegen tauchte in weitreichende Verschwörungstheorien ein, und nicht selten redeten sie einfach aneinander vorbei.
Oft versuchte er, sie auf seine Seite zu ziehen, aber wenn er begann zu reden und von seinen Theorien zu schwadronieren, sagte sie unvermittelt so etwas wie: »Schau, der Vogel!«
Das irritierte und deprimierte ihn.
Sie fühlte sich dagegen nicht genügend wertgeschätzt, wenn er auf seine knappe Kasse hinwies, wenn zum Beispiel das eigentlich geplante Abendessen kärglicher ausfallen musste.
So kam es oft zum Streit und zu Vorwürfen, und jeder hatte eine Position, die durchaus zu vertreten war, wenn man versuchte, objektiv zu sein. Ich saß bei solchen Streitigkeiten wie immer daneben und hätte mir das eine oder andere Mal gewünscht, zu vermitteln. Sie beide zu beruhigen und den Moderator zu spielen, ihnen vielleicht eine Schachuhr in die Hände zu drücken, sodass jeder seine Zeit haben konnte, und den anderen zu verpflichten, zuzuhören, auch wenn sich sein Kopf lieber mit Vögeln beschäftigte.
Ich weiß, dass das Geräusch und das Gefühl beim Drücken eines Knopfes – und es spielt eigentlich keine Rolle, was das für ein Knopf ist – etwas Beruhigendes haben. Glauben Sie mir, nehmen Sie einfach mal eine Luftpolsterfolie in die Hand.
Allerdings war das nicht mein Job, denn ich mische mich nicht ein, so blieb mir nur die Rolle des Beobachters, der sich still verhielt und ersatzweise einen Knopf drückte.
Seine Freundin war nun also fort, was ihm anfangs Zeit zum Durchatmen gab, aber Einsamkeit ist ein Gräuel, das nur darauf wartet, unter dem Bett hervorzukriechen, wenn man es am wenigsten erwartet.
So war er also nun an dem Punkt, und ich möchte hier zum Anfang zurückkehren, sich über die Änderung eines Paragraphen in den Statuten seines Clubs aufzuregen, und das – wie erwähnt – durchaus zu Recht.
Der Club? Ja, richtig, das hatte ich fast vergessen. Entschuldigen Sie bitte, dass ich mich so lange mit seiner Freundin beschäftigt habe.
Ich mochte sie irgendwie.
Dieser Club also dachte, das Kaiserreich oder irgendein anderes Reich sei noch zugegen oder sollte wieder eingeführt werden, ich weiß es nicht so genau. Zwar habe ich immer wieder versucht zuzuhören, aber dann flog dieser hübsche Vogel am Fenster vorbei, und ich habe den Faden verloren.
Ich hoffe, Sie sind jetzt ein bisschen schlauer. Falls nicht, bleiben Sie einfach dran, es wird sich noch genauer erklären.
Ich werde mich nun auch etwas zurücknehmen und dem Lauf der Dinge die Sporen …
Sie wissen schon.)