Marguerite Hessein de La Sablières geheime Welt
Am Ende des Jahres des Herrn 1676 geriet ich in eine persönliche und religiöse Krise, die mein Herz und meinen Verstand gleichermaßen erfasste. Es war eine Zeit, in der die Einsamkeit meiner gescheiterten Ehe und die unzähligen Enttäuschungen, die ich erlitten hatte, eine Leere in mir hinterließen, die nach Zuneigung und Leidenschaft schrie. Inmitten dieses emotionalen Sturms trat Charles de La Fare in mein Leben, ein charmanter und gut aussehender Militäroffizier, dessen Präsenz wie ein Lichtstrahl in meiner düsteren Welt schien.
Unsere Affäre begann leidenschaftlich und intensiv. Charles war nicht nur ein Offizier, sondern auch ein Dichter mit einem scharfen Verstand und einem Herz voller Feuer. Er verkaufte sogar seinen Auftrag in der Armee, um mehr Zeit mit mir verbringen zu können. Diese Hingabe beeindruckte mich zutiefst und ließ mich glauben, dass ich endlich jemanden gefunden hatte, der mich so sehr liebte wie ich ihn.
Ich erinnere mich noch lebhaft an die ersten Monate unserer Liaison. Die Nächte, die wir gemeinsam verbrachten, waren erfüllt von Gesprächen über Poesie, Philosophie und die tiefen Geheimnisse des Lebens. Seine Worte waren wie Balsam für meine verwundete Seele, und seine Berührungen ließen mich die Welt um mich herum vergessen. In seinen Armen fühlte ich mich sicher, geliebt und begehrt – etwas, das ich seit Jahren nicht mehr erlebt hatte.
Doch wie alle leidenschaftlichen Affären hatte auch unsere ihre Schattenseiten. Charles war ein Mann von vielen Leidenschaften, und es dauerte nicht lange, bis die Schatten seiner anderen Liebschaften über uns hereinbrachen. Die Gerüchte und Klatschgeschichten, die in den Salons von Paris kursierten, machten unsere Affäre öffentlich bekannt und brachten Scham und Schmerz mit sich. Besonders quälend war die Tatsache, dass er seine Augen nicht nur auf mich richtete, sondern auch auf andere Frauen – darunter die Schauspielerin Marie Champmeslé.
Marie Champmeslé war eine Frau, die schon beim ersten Anblick die Aufmerksamkeit aller auf sich zog. Ihre Eleganz und Anmut auf der Bühne waren unvergleichlich, und ihre Schönheit war geradezu überwältigend. Sie hatte eine Präsenz, die den Raum füllte, eine Aura von Selbstbewusstsein und Stärke, die ich immer bewundert hatte. Doch so sehr ich ihre künstlerischen Fähigkeiten und ihren Charme schätzen mochte, konnte ich nicht anders, als sie mit Schmerz und Eifersucht zu betrachten.
Ich erinnere mich an das erste Mal, als ich sie sah. Es war eine Aufführung im Théâtre du Marais, und sie spielte eine Hauptrolle in einem Stück von Racine. Ihre Darbietung war so mitreißend, dass ich fast vergaß, wer ich war und wo ich mich befand. Sie besaß eine Stimme, die den Zuschauer in ihren Bann zog, und Augen, die das Publikum mit einem einzigen Blick durchdrangen. Ihr Talent war unbestreitbar, und es war leicht zu verstehen, warum Charles und so viele andere Männer ihr verfallen waren.
Marie war nicht nur schön und talentiert, sie war auch klug und charismatisch. Sie wusste, wie sie ihre Umgebung beeinflussen konnte, und hatte ein Geschick dafür, die Menschen um sie herum für sich zu gewinnen. Ihre Fähigkeit, sowohl auf als auch abseits der Bühne zu glänzen, machte sie zu einer begehrten Persönlichkeit in den Pariser Salons und Theatern.
Doch hinter all dieser Bewunderung lag mein tiefster Schmerz. Marie war die Frau, für die Charles mich verlassen hatte. Ihre Affäre mit ihm war kein Geheimnis, und es schien, als ob sie eine Art Macht über ihn hatte, die ich nie besessen hatte. Es war, als ob sie alles verkörperte, was ich nicht war, und als ob sie ihm etwas geben konnte, das ich ihm nicht geben konnte. Diese Erkenntnis nagte an meinem Selbstwertgefühl und vertiefte die Wunden, die Charles' Untreue mir zugefügt hatte.
Ich fragte mich oft, was sie hatte, dass ich nicht hatte. War es ihre Jugend? Ihre Schönheit? Oder vielleicht ihre Leidenschaft für das Theater, die sie und Charles miteinander verband? Jeder Gedanke an sie war ein Stich in mein Herz, eine Erinnerung daran, dass ich nicht genug gewesen war, um seine Liebe zu behalten.
In meinen schwächsten Momenten hasste ich sie. Doch in meinen klaren Augenblicken konnte ich erkennen, dass Marie Champmeslé nichts falsch gemacht hatte. Sie war einfach eine Frau, die liebte und geliebt wurde, genau wie ich. Unsere Wege hatten sich auf schmerzhafte Weise gekreuzt, aber das machte sie nicht zu meinem Feind.
Ich versuchte, Mitgefühl für sie zu empfinden, denn in einer anderen Welt hätten wir vielleicht Freunde sein können. Doch die Realität war, dass sie der Grund für meine tiefste Verzweiflung war, und es fiel mir schwer, diese Gefühle zu überwinden. Marie Champmeslé war und blieb in meinen Erinnerungen die strahlende Schönheit, die das Herz des Mannes stahl, den ich so leidenschaftlich geliebt hatte.
Als unsere Beziehung schließlich zerbrach, stürzte ich in eine tiefe Verzweiflung. Das Ende unserer Liebe war ein harter Schlag, den ich nur schwer verkraften konnte. Ich fühlte mich erneut verlassen und verraten, als ob mein Herz ein zweites Mal zerrissen wurde. Marie de Sévigné, meine vertraute Freundin, sagte mir, dass La Fare vom Theater und seinen neuen Leidenschaften der Kopf verdreht worden sei. Doch für mich bedeutete es nur, dass ich nicht genug gewesen war, um seine Liebe dauerhaft zu gewinnen.