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Birgit Wichmann

Die Hüterin der Worte

Das verschwundene Wort

Man sagt, die Welt begann mit einem Wort. Nicht mit einem Donnerschlag oder einem göttlichen Fingerzeig, sondern mit einem Flüstern.
Ein einziger Laut, geboren aus der Stille, legte den Grundstein für alles, was kam.
Die Hüterin glaubte daran.
Nicht, weil sie es beweisen konnte, sondern weil sie es fühlte.
In ihr lebten die Geschichten wie schlafende Tiere.
Manchmal brüllten sie, manchmal flüsterten sie und manchmal schliefen sie jahrelang.
Aber sie waren da.
In einer Welt, die immer lauter wurde, hütete sie das Leise.
In einer Zeit, in der alles schneller gehen musste, sammelte sie das Langsame.
Während andere vergaßen, erinnerte sie.
Und irgendwo zwischen den Seiten eines zerfledderten Buches wartete eine Geschichte darauf, zu Ende erzählt zu werden. Die wichtigste Geschichte von allen.
Ihre eigene.