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Kerstin Stefanie Rothenbächer

Die Lüge der Seeprinzessin

Gefangen in Erinnerungen

Die Schwertlilien neigen sich der Seeprinzessin zu und eine laue Brise stimmt eine tragende Ballade an.

‚Es kommt mir vor, als spürte ich seine Hand, die mich nie loslassen wollte.‘

Nadira verliert sich in den aufwühlenden Klängen, während die die Sommernacht wie feine Blitze in der Luft prickelt. Der Mond schickt seine Strahlen über den See und sie legen sich unheilvoll auf ihre Brust. Eine einzelne Träne tropft ins Wasser und vereinigt sich mit der frischen Quelle, die ihr Opfer ebenso wenig freigibt wie die Seeprinzessin die ihren.

„Wenn du bereit bist, dich ihr zu stellen, wird sie ein Einsehen haben, Nadira!“

„Vergiss es, Junis, ich schicke sie zum Teufel!“

Der Schwan pustet einen Schwall Feuerfunken in ihre Richtung.

„Das hast du längst getan!“

Er erhebt sich und verschwindet im nahen Wald, der zur Stadt Yanam führt. Nadira sieht ihm einige Minuten nach. Tränenblind späht sie in das Zwielicht, doch der Pfad spuckt keinen weiteren Helden aus. Noch nicht.