Symbole der Macht - Präludium
Inhaltswarnung:
Action, Gewalt
Action, Gewalt
Dr. Michaelis zu Lange Furt
Symbole der Macht
Präludium
London, 1869, 14. November, Kurz vor 23 Uhr
Kalter Nebel waberte durch die schmutzigen Straßen der Metropole. Dicke Rauchschwaden hüllten dazu die engen Gassen in einen Schleier aus Kohlenstaub und Aethergasen, der das Atmen erschwerte. Nur der Vollmond strahlte am Himmel.
Bis auf einige wenige arme Seelen, denen eine Obhut fehlte, hatten sich die meisten Bewohner des riesigen Molochs, der einst den Höhepunkt der Zivilisation darstellte, einen wärmenden Unterschlupf gesucht. Den meisten Arbeitern hier war es egal, ob sie in einem Pub gemeinsam mit anderen den letzten Pint vor der Sperrstunde herunterstürzten oder einer der billigen Prostituierten ihren letzten Penny in die weit geöffnete Bluse warfen.
Sie alle wollten nur Eines: Weg von der Straße. Raus aus der Fabrik. Jeder der hier Anwesenden wollte der klebrigen Kälte des Novembernebels und dem allgegenwärtigen Aethergestank entkommen. Kaum waren die Türen geschlossen, interessierte sich niemand mehr dafür, was auf den Straßen geschah. Und so fielen auch die hastigen Schatten einer kleinen Gruppe von Männern nicht auf. Die drei in mattem schwarz gekleideten Gestalten legten ohnehin keinen Wert darauf, gesehen zu werden, als sie die Upper-Thames-Street entlang huschten.
Die schwache Beleuchtung der Laternen oberhalb des Kopfsteinpflasters tat ihr übriges und nur wenige Sekunden nach ihrem Erscheinen verschluckten die eisigen Nebelbänke die Schatten auch schon wieder. Der Weg führte sie an trüben Abwasserkanälen entlang. Vorbei an der Themse und zwischen verfallenen Häusern hindurch. Bis sie schließlich einen Tunnel erreichten, der zu dem noch im Bau befindlichen U-Bahnnetz führte.
»Schneller« keuchte eine heisere Stimme und trieb die anderen Männer nach vorne. Als sie den Schacht betraten, hallten ihre Schritte leise, aber wahrnehmbar.
»Wir dürfen keine Zeit verlieren. Wenn dieser Informant Recht hat, haben wir nur noch wenige Minuten bis der Wachwechsel vollzogen ist. Danach wären wir in der Unterzahl und der Tresorraum wird schwerer zu erreichen sein.«
»Ich weiß, Joe. Wir waren alle bei der Planung dabei, falls du dich erinnerst.«
In der tiefen Stimme des zweiten Mannes schwang eine Gereiztheit mit, die einen ausgeprägten Schlafmangel der letzten Tage nicht mehr verdecken konnte, so dass sein spanischer Akzent stärker als sonst mitschwang.
»Ich will nur gründlich sein, Hector. Der Typ im Rollstuhl hat doch ganz klar gesagt, worum es ihm geht. Wir müssen der Corporation das Einzige entreißen, was ihr wirklich gefährlich werden kann. Nur so hat das Empire eine Chance wieder zu alter Stärke zu kommen und der König erhält seine Macht zurück.«
»Das hochtrabende Geschwafel von dem seltsamen Kerl habe ich auch gehört, Joe. Mir ist euer König völlig egal. Ich will nur gut bezahlt werden für diesen Job. Ein ehrenhafter und loyaler Spanier folgt außerdem nur Königin Isabella II.«
Joe lachte zynisch. »Ehrenhaft. Dass ich nicht lache. Du bist doch auch nur so loyal wie der Wert der Scheine, die man dir für deine Dienste in den Rachen wirft, Muchacho. Dass sie den Preußen kurz vorher verhaftet haben, der eigentlich die Tür zum Tresor hätte öffnen sollen, müsste uns eine Warnung sein.« Er zog die Nase hoch und rotzte auf den Platz neben sich. »Hombre, wärst du nicht ein so guter Sprengstoffexperte, würde ich dir liebend gerne jedesmal dafür eine reinhauen, wenn du von deiner Königin redest. Wer dir zuhört, könnte meinen, dass du sogar mit ihr ins Bett gehst.«
»Te voy a dar una hostia que...« nuschelte Hector seine Antwort mit einem halbseidenen Lächeln, als eine Bewegung im Augenwinkel seine Aufmerksamkeit erforderte.
»Da vorne ist was.«
Die Männer erhöhten das Schritttempo, bis sie nach einigen Metern völliger Dunkelheit endlich den Zielpunkt erreichten. An einer Abbiegung stoppten sie nach Joes Handzeichen abrupt und gingen lautlos in Deckung. Hier zahlte sich ihre militärische Ausbildung aus. Hinter der nächsten Kurve zitterten die Schatten einer Handvoll Öllampen und mit ihnen ebenso viele Wachmänner in dicken Mänteln. Die Kälte war hier unten nochmal deutlich unbarmherziger und zog in jede sich bietende Ritze.
»Colin, reich mir den Feldstecher.«
Der Angesprochene tat wie ihm befohlen und sein lockeres Haar fiel ihm beim Durchwühlen seiner Tasche immer wieder vor die Augen, so dass er gezwungen war, seine rotbraunen Strähnen zu bändigen.
»Was dauert das so lange?«, keifte Joe leise.
Der hagere Mann mit der nasalen Stimme wirkte gereizt. »Oder willst du keine leicht verdiente Kohle? Kurz rein, Zielobjekt einsacken, raus und abliefern.«
»Doch klar, Boss. Hier...« Colin reichte ihm das Fernglas.
Die Schatten hüllten die Männer wie ein Tuch ein, so dass die Wachmänner sie nicht bemerkten. Ein leises Surren der Zahnräder begleitete den Apparat, als Joe näher heranzoomte.
»Genau wie der komische Kauz es beschrieben hat. Perfekt. Hinter dem Tor liegt das verdammte Ding.«
Er lächelte ein öliges Lächeln.
»Hey Boss«, wisperte der junge Colin von hinten und zeigte Richtung zwei Uhr. »Da passiert was.«
Joe richtete das Glas auf die angezeigte Richtung und erschrak. »Mist! Wir müssen hier raus. Abrücken Männer.«
Vorsichtig zogen sich die drei zurück, doch die sich nähernden Rufe der Wachen hinter ihnen trieben sie dazu, die Beine in die Hand zu nehmen.
»Zurück zum Treffpunkt«, befahl Joe unnötigerweise. Kalter Schweiß stand ihm auf der Stirn. Nur noch wenige Meter trennten die Männer vom rettenden Ausgang.
Die Wachen waren weit hinter ihnen.
»Colin!«
Joe sah, wie der Fuß des jungen Neulings sich an einer der frisch verlegten Eisenbahnschwellen verkantet hatte und dieser vorn überfiel.
Er sah sich gezwungen anzuhalten und ihm hoch zu helfen.
»Pass besser auf.«
Der Junge nickte.
»Weiter, wir haben es gleich geschafft.«
Doch es war zu spät.
Am Ausgang wurden sie bereits von weiteren Wachen der Corporation empfangen. Die Falle schnappte zu. Grelle Lichtblitze erhellten die Schatten. Schreie folgten und Körper fielen zu Boden.
Am nächsten Morgen trieben Leichen mit dunklen Verbrennungsspuren auf der Haut im trüben Wasser der Themse. Doch niemand interessierte sich für sie. Den meisten Bewohnern der Millionenstadt ging es nur darum, dem monotonen Alltag der Fabrik in heruntergekommenen Pubs und Freudenhäusern für einen kleinen Augenblick zu entkommen. Dort konnten sie ihre Sorgen vergessen.
Die Corporation würde sich schon noch darum kümmern und den Abfall beseitigen. So wie sie es immer tat.
ENDE
Neugierig darauf, wie es weitergeht?
Auch würde mich eure ganz persönliche Meinung interessieren.
Ihr findet mich auf instagram unter dem Nicknamen michaelsteampunk
Bald erhältlich:
Symbole der Macht - Band 1: Das gestohlene Königreich
Symbole der Macht - Band 2: Von Göttern und Dämonen
Symbole der Macht - Band 3: tba (In Vorbereitung)
Symbole der Macht - Band 4: tba
»Der Arbeiter wird umso ärmer, je mehr Reichtum er produziert.« - Karl Marx
I M P R E S S U M
Symbole der Macht – Präludium von Dr. Michaelis zu Lange Furt
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Autor: Michael Kuhn
Blocks Wiese 7, 49610 Quakenbrück
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